====== LU02a – Normalverteilung ====== **Ziel:** Du kannst erklären, was eine Normalverteilung ist, ihre Eigenschaften benennen und reale Beispiele dafür nennen. ---- ===== Kurztheorie (Merksätze) ===== * Viele reale Datensätze häufen sich um einen **zentralen Wert** – die Normalverteilung beschreibt genau diese Form. * Die Kurve sieht aus wie eine **Glocke** → wird auch „Glockenkurve" genannt. * **Mittelwert = Median = Modus** – alle drei Lagemasse fallen auf denselben Punkt. * Die Kurve ist **symmetrisch**: 50 % der Werte liegen links, 50 % rechts vom Mittelwert. * Reale Daten sind selten //perfekt// normalverteilt – die Normalverteilung ist ein nützliches **Modell**. ---- ===== 1) Wie können Daten verteilt sein? ===== Daten lassen sich auf ganz verschiedene Arten verteilt sein: {{:modul:mathe:ma4:thema:wahrscheinlichkeit:normalverteilung_intro.png?800|Vergleich: linksschief, normalverteilt, rechtsschief}} ^ Typ ^ Beschreibung ^ Beispiel ^ | **Linksschief** | Schweif zeigt nach links, Häufungen rechts | Sterbealter in entwickelten Ländern | | **Normalverteilt** | Symmetrische Glocke, Häufung in der Mitte | Körpergrösse, Testergebnisse | | **Rechtsschief** | Schweif zeigt nach rechts, Häufungen links | Einkommen, Wartezeiten | In der Praxis begegnet uns die Normalverteilung sehr häufig – entweder weil Daten tatsächlich so verteilt sind, oder weil sie als **Modell** für Berechnungen dient. ---- ===== 2) Eigenschaften der Normalverteilung ===== {{:modul:mathe:ma4:thema:wahrscheinlichkeit:normalverteilung_eigenschaften.png?700|Eigenschaften der Normalverteilung}} Die Normalverteilung hat drei wichtige Eigenschaften: ==== 2.1 Mittelwert = Median = Modus ==== Bei einer perfekten Normalverteilung fallen alle drei zentralen Lagemasse zusammen: * **Mittelwert (μ):** arithmetischer Durchschnitt aller Werte * **Median:** der mittlere Wert (50. Perzentil) * **Modus:** der am häufigsten vorkommende Wert Dies passiert genau dann, wenn die Verteilung **perfekt symmetrisch** ist. ==== 2.2 Symmetrie ==== Die Glockenform ist **links-rechts-symmetrisch** um den Mittelwert μ. Das bedeutet: * Genau **50 %** der Werte liegen //unterhalb// des Mittelwerts. * Genau **50 %** der Werte liegen //oberhalb// des Mittelwerts. ==== 2.3 Asymptotisch gegen null ==== Die Kurve nähert sich der x-Achse immer mehr an, **erreicht sie aber nie** (asymptotisch). Theoretisch können Werte beliebig weit vom Mittelwert entfernt sein – aber ihre Wahrscheinlichkeit wird extrem klein. ---- ===== 3) Beispiele aus der Praxis ===== Viele reale Phänomene folgen näherungsweise einer Normalverteilung: ^ Phänomen ^ Mittelwert (typisch) ^ Bemerkung ^ | Körpergrösse (Frauen CH) | ≈ 165 cm | Grosse wie kleine Frauen seltener | | IQ-Werte | 100 | σ = 15 per Definition | | Blutdruck (diastolisch) | ≈ 80 mmHg | Natürliche biologische Streuung | | Produktionsmasse (Industrie) | Sollmass | Maschinen schwanken leicht | | Testergebnisse | Klassenmittel | Bei gut konstruierten Tests | > **Wichtig:** Die meisten realen Daten sind nur **näherungsweise** normalverteilt. Das Modell ist trotzdem sehr nützlich, weil sich damit Wahrscheinlichkeiten berechnen lassen. ---- ===== Verständnisfragen ===== - Nenne **drei reale Phänomene**, die näherungsweise normalverteilt sind. - Was passiert mit der Glockenform, wenn der Mittelwert μ grösser wird? - Warum sind Mittelwert, Median und Modus bei einer Normalverteilung gleich? - Ist ein Datensatz mit einer kleinen Erhebung (z.B. 10 Messungen) schon normalverteilt? Begründe. ---- [[https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/|{{ https://i.creativecommons.org/l/by-nc-sa/4.0/88x31.png }}]] Bearbeitet nach [[https://www.mathsisfun.com/data/standard-normal-distribution.html|mathsisfun.com]]