Linearfaktorzerlegung

Mit der Linearfaktorzerlegung stellst du ein Polynom durch seine Linearfaktoren dar. Aus dieser Produktform kannst du die Nullstellen direkt ablesen.

Grundidee

Bei der Linearfaktorzerlegung bringst du ein Polynom von der Normalform

\(f(x) = a_{n}x^{n} + a_{n-1}x^{n-1} + \dots + a_{0}\)

in die Produktform (Linearfaktordarstellung)

\(f(x) = a · (x - x_{1})(x - x_{2}) \dots (x - x_{n})\)

Jede Klammer der Form ( \(x\) - Nullstelle ) ist ein Linearfaktor. Die Zahlen \(x_{1}, x_{2}, \dots, x_{n}\) sind die Nullstellen des Polynoms, \(a\) ist der Vorfaktor.

Beispiele

Hat eine Funktion keine Nullstellen, kann sie nicht weiter in Linearfaktoren zerlegt werden.

Vorgehensweise

  1. Vorfaktor ausklammern (Zahl vor der höchsten Potenz)
  2. Nullstellen berechnen
  3. Linearfaktoren aufstellen - für jede Nullstelle eine Klammer ( \(x\) - Nullstelle )
  4. Linearfaktoren in die Produktform bringen (mit dem Vorfaktor)
  5. Probe durch Ausmultiplizieren

Die Nullstellen berechnest du je nach Aufgabe mit der Mitternachtsformel, der pq-Formel oder der abc-Formel.

Beispiel: Polynom 2. Grades

\(f(x) = x^{2} + 4x + 3\)

Schritt 1 - Vorfaktor ausklammern: Der Vorfaktor von \(x^{2}\) ist 1, du musst nichts ausklammern.

Schritt 2 - Nullstellen berechnen: Setze \(f(x) = 0\) und löse, hier mit der Mitternachtsformel:

\(x_{1,2} = \frac{-4 \pm \sqrt{4^{2} - 4 · 1 · 3}}{2 · 1}\)

Die Nullstellen liegen bei \(x_{1} = -1\) und \(x_{2} = -3\).

Schritt 3 - Linearfaktoren aufstellen:

\(x_{1} = -1\) → \((x - (-1)) = (x + 1)\)

\(x_{2} = -3\) → \((x - (-3)) = (x + 3)\)

Schritt 4 - Produktform:

\(f(x) = (x + 1)(x + 3)\)

Schritt 5 - Probe durch Ausmultiplizieren:

\(f(x) = (x + 1)(x + 3) = x^{2} + 3x + x + 3 = x^{2} + 4x + 3\) ✓

Beispiel: mit Vorfaktor

\(f(x) = 2x^{2} + 3x + 1\)

Schritt 1 - Vorfaktor ausklammern: Den Vorfaktor 2 klammerst du aus und merkst ihn dir für später:

\(f(x) = 2 · (x^{2} + \frac{3}{2}x + \frac{1}{2})\)

Schritt 2 - Nullstellen berechnen: Mitternachtsformel auf den Term in der Klammer anwenden:

\(x_{1,2} = \frac{-\frac{3}{2} \pm \sqrt{(\frac{3}{2})^{2} - 4 · 1 · \frac{1}{2}}}{2 · 1}\)

\(x_{1} = -0{,}5\) und \(x_{2} = -1\)

Schritt 3 - Linearfaktoren aufstellen:

\(x_{1} = -0{,}5\) → \((x + 0{,}5)\)

\(x_{2} = -1\) → \((x + 1)\)

Schritt 4 - Produktform (mit dem Vorfaktor 2):

\(f(x) = 2 · (x + 0{,}5)(x + 1)\)

Schritt 5 - Probe durch Ausmultiplizieren:

\(2(x + 0{,}5)(x + 1) = (2x + 1)(x + 1) = 2x^{2} + 2x + x + 1 = 2x^{2} + 3x + 1\) ✓

Polynome höheren Grades

Bei Funktionen mit Grad höher als 2 findest du die Nullstellen mit anderen Methoden:

Beispiel: Linearfaktorzerlegung mit Ausklammern

Enthält jeder Summand die Variable \(x\), kannst du \(x\) ausklammern und erhältst wieder eine quadratische Funktion.

\(f(x) = x^{3} - 6x^{2} + 5x\)

\(f(x) = x · (x^{2} - 6x + 5) = 0\)

Schritt 1 - Vorfaktor ausklammern: Der Vorfaktor von \(x^{3}\) ist 1.

Schritt 2 - Nullstellen berechnen: Da das Produkt 0 sein soll, setzt du die Faktoren einzeln gleich 0:

\(x_{1} = 0\)

\(x^{2} - 6x + 5 = 0\) → \(x_{2,3} = \frac{6 \pm \sqrt{(-6)^{2} - 4 · 1 · 5}}{2 · 1}\) → \(x_{2} = 5\) und \(x_{3} = 1\)

Schritt 3 - Linearfaktoren aufstellen:

\(x_{1} = 0\) → \((x - 0) = x\)

\(x_{2} = 5\) → \((x - 5)\)

\(x_{3} = 1\) → \((x - 1)\)

Schritt 4 - Produktform:

\(f(x) = x(x - 5)(x - 1)\)

Schritt 5 - Probe durch Ausmultiplizieren:

\(f(x) = (x^{2} - 5x)(x - 1) = x^{3} - x^{2} - 5x^{2} + 5x = x^{3} - 6x^{2} + 5x\) ✓

Anwendung: Brüche kürzen

Die Linearfaktorzerlegung hilft beim Kürzen von Brüchen aus Polynomen (gebrochenrationale Terme). Du zerlegst Zähler und Nenner jeweils in Linearfaktoren und kürzt gleiche Faktoren.

\(g(x) = \frac{3x^{2} + 10x + 8}{2x^{2} - 4x - 16}\)

Mit der Mitternachtsformel erhältst du im Zähler die Nullstellen \(-2\) und \(-\frac{4}{3}\), im Nenner \(4\) und \(-2\):

\(g(x) = \frac{3(x + 2)(x + \frac{4}{3})}{2(x - 4)(x + 2)}\)

Da der Faktor \((x + 2)\) im Zähler und im Nenner steht, kannst du ihn kürzen:

\(g(x) = \frac{3(x + \frac{4}{3})}{2(x - 4)}\)

Merke

  • Aus einer Nullstelle \(x_{0} = -3\) wird der Linearfaktor \((x - (-3)) = (x + 3)\) - nicht \((x - 3)\).
  • Den Vorfaktor der Normalform darfst du in der Produktform nicht vergessen.
  • Kontrolle immer durch Ausmultiplizieren: Es muss das ursprüngliche Polynom entstehen.

Quelle und weitere Beispiele: Studyflix - Linearfaktorzerlegung