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Im Scoping-Prozess haben Sie sich auf eine Persona festgelegt, die mit der Anwendung interagiert. Wie weit diese Annahmen tatsächlich der realen Zielgruppe entsprechen, muss für den weiteren Verlauf des Projektes zwingend validiert (überprüft) werden. Eine Persona ist erst dann valide, wenn sie nicht nur auf Annahmen, sondern auf strukturiert erhobenen Nutzerdaten basiert.

Interviews als Validierungswerkzeug

Interviews gehören zu den zentralen Methoden der qualitativen UX-Forschung. Sie ermöglichen es, subjektive Sichtweisen, Erwartungen und Nutzungserfahrungen direkt aus erster Hand zu erfassen.

Im UX-Prozess konzentrieren sich Interviews gezielt auf die zukünftige oder bestehende Anwendung. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere:

  • Aufgaben, die Nutzerinnen und Nutzer erledigen möchten
  • Bedürfnisse und Ziele, die sie mit der Anwendung verfolgen
  • Probleme und Herausforderungen, die dabei auftreten

Ebenso wichtig ist der Nutzungskontext:

  • In welcher Situation wird die Anwendung verwendet?
  • In welchem Umfeld bewegt sich die Persona?
  • Welche technischen Voraussetzungen und digitalen Kompetenzen bringt sie mit (z.B. Geräte, Programme, etc.)?

Durch diese kontextbezogene Betrachtung entsteht ein ganzheitliches Bild der Nutzerinnen und Nutzer. Dieses bildet die Grundlage für fundierte Anforderungen und eine benutzerzentrierte Gestaltung der Anwendung.

Interview durchführen

Ein Interview muss gut vorbereitet sein, damit vergleichbare Ergebnisse gesammelt werden können. Die Fragen müssen zielgerichtet sein und vorteilhafte folgende Merkmale beachten:

  • Offene Fragen stellen, keine Ja-/Nein-Fragen.
    Kann eine Frage nur mit ja oder nein beantwortet werden, ergeben sich keine neuen Aspekte im Umgang mit der Anwendung, da sie nur oberflächliche Antworten provozieren. Es enstehen wo möglich blinde Flecken.
  • Keine Suggestivfragen stellen („Sie fanden die Funktion also eher schlecht?“)
    Statt offen Informationen zu sammeln, wird durch Wortwahl, Tonfall oder implizite Bewertung eine Antwort nahegelegt und lenken die befragte Person in eine bestimmte Richtung. Dadurch entstehen verzerrte Ergebnisse, die nicht mehr die tatsächliche Meinung oder Erfahrung der Nutzer:innen widerspiegeln.
  • Möglichst neutrale Fragen stellen („Wie haben Sie die Funktion erlebt?, Wie sind Sie mit der Navigation zurechtgekommen?, Was ist Ihnen positiv oder negativ aufgefallen?“)
    Je neutraler die Frage, desto zuverlässiger die Erkenntnisse.
  • Fragen sollen keine Synthese verlangen.
    Die befragte Person soll keine Schlussfolgerungen ziehen müssen, um eine Frage zu beantworten.
  • Nicht nach Fachbregriffen fragen.
    Die Frage nach z.B. „Benutzerfreundlichkeit“ kann von der befragten Person kaum oder nicht beantwortet werden, weil sie nicht zwingend das nötige know how hat, eine Beurteilung zu machen.
  • Nicht nach Lösungen fragen.
    Das Erarbeiten von Lösungen ist Sache der Entwicklungsteams und nicht der Anwender. Es könnten so Erwartungshaltungen geweckt werden, die sich nicht umsetzen lassen.
  • Folgefragen gut einplanen.
    Fragen sollen top-down auf einanderabgestimmt sein. Zuerst werden generelle Aspekte gefragt, um dann auf spezifische Punkte einzugehen.

Weitere hilfreiche Tipps zu qualitativen Interviews finden Sie hier: https://www.softwareevaluation.de/de/methoden/interviews-im-ux-kontext/


© René Probst / Elena Mastrandrea

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  • Zuletzt geändert: 2026/02/24 16:34
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